10 Monate Baby - Jetzt wohnt es so lange bei uns, wie vorher in mir.

Was für Monate! Mein Herz ist ein wenig schwer heute, am 10-Monats-Geburtstag unseres Babys.

Jetzt ist sie schon genauso lange auf der Welt, wie sie vorher in mir gewohnt hat und dort gewachsen ist. Komisch irgendwie. Aus irgendeinem Grund fühlt sich das nach einem Abschied an, so als wäre die klassische Afterbaby-Phase jetzt offiziell beendet.

Den Weg zurück zum Sport bin ich jedenfalls noch nicht bis ans Ende gegangen. Zwar mache ich schon viel Sport, aber Sport und Baby zu vereinen, fühlt sich nach wie vor nach einer großen Aufgabe an. Bevor ich Mama war, habe ich einfach Sport gemacht. Bin laufen gegangen, ins Gym oder zum Schwimmen. Großartig darüber nachgedacht habe ich fast nie. Das ist jetzt anders. Jede Sporteinheit muss geplant werden und alle Planung wird manchmal vom Baby mit einem Schnipp mit den kleinen Fingern umgeworfen. 

Komischerweise ist gerade das aber nicht nur anstrengend, sondern auch aufregend und schön. Da ist dieser kleine Mensch, unschuldig und pur. Mich auf sie einzulassen, bedeutet gleichzeitig viele völlig überhöhte vermeintliche Hürden des Alltags loslassen zu müssen. Vor der Geburt unserer Tochter war ich ein Kontrollmensch und bin es noch. Das strengt mich oft an und ich merke es nicht mal richtig. Jetzt wird mir diese Kontrolle häufig abgenommen und es tut gut, sich darauf einzulassen.

 

"Mama, heute ist kein Tag für Sport. Ich will lieber kuscheln, denn es geht mir nicht gut. Wenn Du Sportsachen anziehst, werde ich mich beschweren. Wenn ich im Babyjogger sitzen muss, werde ich dicke Tränen weinen. Solange, bis ich hochgenommen und gekuschelt werde. Und die Welt würde ich gern weiter entdecken. Das eine Krümel, das Du nicht weggesaugt hast und die Pfützen bitte bei strömendem Regen."

Viel zu oft stellen wir Erwachsenen unsere Bedürfnisse zurück. Gehen laufen, obwohl es uns nicht ganz gut geht. Fassen etwas nicht an, weil es nass ist oder dreckig. Wir denken dabei, dass wir bestimmte Dinge tun müssen oder andersherum gerade nicht tun können oder dürfen. Kinder, besonders ganz kleine, die noch nicht wissen, was sich "gehört", was man so macht und was nicht, handeln instinktiv nach ihren Bedürfnissen. Das zu beobachten und dem nachzugeben, eröffnet mir die Welt ganz neu und gibt mir einen neuen Blick für alles. Wirklich alles.

 

Ohne Sport kann und will ich natürlich dennoch nicht sein. Dass ich schon wieder an Laufveranstaltungen teilgenommen habe, wisst Ihr längst. Mein neuester Spaß war der Fockeberglauf, meinen Bericht dazu könnt ihr hier nachlesen.

 

Im Sommer schon habe ich zusätzlich zu gelegentlichen Lauftrainings angefangen, bei Laufmamalauf zu trainieren. Es handelt sich dabei um ein großartiges Outdoortraining für Mamis mit Baby (es gibt auch Schwangerenkurse und solche für Mamis, deren Babies schon größer sind). Seit Ende Oktober bin ich selber dort Trainerin und liebe es!

Hier ist mal ein Link, Laufmamalauf gibt es deutschlandweit in vielen Städten. Ich liebe es! Es geht dabei nicht nur um Sport, sondern auch um Austausch.  Alle Laufmamas (Trainerinnen, Teilnehmerinnen sowieso und die Mädels "hinter den Kulissen", die ich während meiner  Weiterbildung zur prä- und postnatalen Fitnesstrainerin in Berlin kennengelernt habe) sind voller Herz, Verständnis und Zusammenhalt.

 

Schon meine ersten Stunden als Trainerin eines Kurses für Neumamis hat mir aber gezeigt, dass ein Afterbabybody nicht nur einer ist, der möglichst aussieht, wie vor der Geburt (da sind die meisten erstaunlich wenig streng zu sich und das ist gut so!). Viel mehr leiden viele Teilnehmerinnen, aber auch Trainerinnen unter den nicht sofort sichtbaren Folgen ihrer Schwangerschaft(en). 

1) Der Beckenboden. So ein Mist mit dem Beckenboden. Ich habe ja auch mein liebes Leid damit gehabt und Euch berichtet. Zum Glück geht es bei mir jetzt wieder. Ich bleibe aber dran, trainiere oft und bin - insbesondere nach meinem verfrühten und für den Beckenboden schlechten - Einstieg ins Lauftraining, sehr vorsichtig damit. Und sensibel. Sobald sich z.B. beim Sport etwas komisch anfühlt, breche ich die Übung ab und wechsle zu einer sanfteren, für den Beckenboden weniger belastenden Ausführung.

2) Der Schultergürtel. Meine Problemzone zur Zeit. Der Schwindel, unter dem ich zeitweise gelitten habe, ist glücklicherweise weg. Aber meine Muskulatur ist geschwächt und durch die ungleiche Belastung (ich trage mein Baby hauptsächlich auf einer (meiner guten) Seite) nicht im Gleichgewicht und teilweise verkürzt. Ich arbeite daran und versuche so häufig wie möglich Kräftigungs- und Dehnungsübungen zu machen. 

 

Ihr seht also: Obwohl schon 10 Monate vorbei sind, ist noch viel zu tun und - daran musste und muss ich mich immer noch gewöhnen - mit Kind sowieso alles immer in Bewegung.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Albrecht (Samstag, 11 November 2017 00:20)

    So schön geschrieben, zuvor empfunden und ich (nach gefühlten 100 Jahren) wieder-empfunden... Meine Lieblingsstelle: "Mama, heute ist kein Tag für Sport. Ich will lieber kuscheln, denn es geht mir nicht gut. Wenn Du Sportsachen anziehst, werde ich mich beschweren. Wenn ich im Babyjogger sitzen muss, werde ich dicke Tränen weinen. Solange, bis ich hochgenommen und gekuschelt werde. Und die Welt würde ich gern weiter entdecken. Das eine Krümel, das Du nicht weggesaugt hast und die Pfützen bitte bei strömendem Regen."